preload
background

Hörbuch des Jahres 2017 - Friederike Mayröcker / Lesch Schmidt: Requiem für Ernst Jandl
Besprochen v. D. Meyer-Kahrweg vom 02.12.2017
Anhören in der ARD-Mediathek


SWR2 am Samstagnachmittag - "Requiem für Ernst Jandl" - ein musiklisches Melodram
Vorgestellt von Leonie Berger vom 11.2.2017
Anhören in der SWR-Mediathek


Requiem für Ernst Jandl
Unsere Hörbuch-Empfehlung im Dezember erinnert an den Poeten Ernst Jandl und belebt die Fantasie - wortwörtlich. (.) Als ihr Gefährte, der Dichter Ernst Jandl, im Frühjahr 2000 stirbt, spricht die Schriftstellerin Friederike Mayröcker ihre Totenklage ins Mikrofon. Es ist eine leidenschaftliche, aber unsentimentale Hymne auf eine große Liebe. Der Komponist Lesch Schmidt hat die Stimme von Friederike Mayröcker und die Stimme der Schauspielerin Dagmar Manzel mit Musik für Klavier, Geige, Kontrabass, Tuba, Flöte, Saxophon und Schlagzeug verwoben - zu einem kraftvollen und berührenden Hörerlebnis.

hr2-Hörbuchbestenliste Dezember 2016


(...) Mayröcker zeichnet in immer neuen Fragmenten wortgewaltig und gemächlich die Sprachlosigkeit. Ihre raue, nachdenkliche Stimme, der dunkle Ton kontrastieren zur teilweise fröhlichen, auch jazzigen Musik des Orchesters, zum Blues, der die durchaus passende Untermalung für das Unzumutbare ist. Man hört nur mit dem Herzen gut, könnte man in Abwandlung des bekannten Spruchs des "Kleinen Prinzen" sagen. (.) "Requiem für Ernst Jandl" ist ein Theatererlebnis der etwas anderen Art, bei dem der Zuschauer mit seinen Erinnerungen zum Akteur werden kann, wenn er will.

Die Presse, Print-Ausgabe


Totenklage, lyrisch
Friederike Mayröckers so elegisch wie zärtlich rhythmisierte Totenklage hat der Musiker Lesch Schmidt mit Jazzrock-Improvisationen unterlegt. Zuweilen allerdings wird die Musik zur akustischen Konkurrenz - was zwangsläufig die Aufmerksamkeit für das gesprochene, aber nicht immer hörbare Wort schärft. Die im Vergleich zu Mayröcker geradezu sachlich klingende Erzählstimme von Dagmar Manzel rundet das lyrische Ereignis im Hörbuch zu einem Kunstwerk eigenen Ranges. Einzigartig.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung


Verträgt dieses Requiem ein anderes Medium? Ob diese Beobachtungen überhaupt die Hereinnahme eines anderen Mediums vertragen, bleibt ungewiss. Der Komponist und Pianist Lesch Schmidt wagt das mit dem von Jandl so geschätzten Jazz. In Salzburg ist wie bei der Uraufführung am Wiener Akademietheater 2015 die Schauspielerin Dagmar Manzel mit virtuoser Stimme und Timbre eine Brücke zwischen der Musik und Mayröckers aus dem Off gelesenen Textteilen. Mitunter Echokammer, mitunter Mahnerin an die Schönheit der Erinnerung, stemmt sie sich dann doch eine gute Stunde gegen ein beinahe unmögliches Unterfangen.

Gerald Heidegger, ORF.at


(...) Die zu einem Requiem gehörende Musik komponierte Lesch Schmidt und brachte sie - er selbst am Klavier den Takt vorgebend - gemeinsam mit vier Kollegen zu Gehör. (.). Also warum nicht völlig neue Wege beschreiten: Jazz! Ernst Jandl liebte diese Stilrichtung.

FAZ


Manchmal summt sie (Dagmar Manzel) dazu, manchmal erhebt sie ihre Stimme und singt Mayröcker. Ist das "Laß ein den Segen: die Tränen am Fensterglas die leise aufklatschenden Tropfen auf Messer und Blech" so rhythmisch melodiös, dass es sich zum Singen eignet? Oder hat der Komponist Lesch Schmidt die von ihm am Klavier begleiteten Jazz-Rhythmen und -Klänge so fabelhaft zu diesem Text arrangiert?

Hedwig Kainberger, Salzburger Nachrichten


Der Golem in Bayreuth
Schmidt hat eine musikalische Höllenfahrt geschrieben, in der einem gestandenen Wagnerianer regelrecht Hören und sehen vergehen dürfte. So wie die Textvorlage greift auch die Musik beherzt zeitgenössisch zu . ... Dieses Musiktheaterstück knallt den Bühnenweih-Festspiel-Besuchern die Tür vor der Nase zu – und es ist Sommer draußen vor der Tür.

Marcel Feldberg, „fermate“, Rheinisches Musikmagazin


'Der Golem in Bayreuth' is an amusing play, well suited for the theater. Because of its colorful sounds, symbols, and techniques, it is more accessible than many avant-garde dramas, a fact which may give the plot a final ironic twist. Its violence is tempered by its absurdity, and its effect is pleasingly enigmatic.

Erlis Wickersham, Rosemont College, World Literature Today


Die Lautstärkegewitter-Symphonien des Amerikaners Glen Branca sind nie weit. Lesch Schmidt zitiert in seiner Musikcollage außerdem den kehligen archaischen Volksgesang bulgarischer Frauenchöre, überdrehten Gershwin und rasenden Scatgesang. ... Von der Empore bläst das Blech. Und die Zuhörer im Parkett des Akademietheaters ziehen ängstlich die Köpfe ein. So gefährlich, so kraftvoll tobt das zeitgenössische Musiktheater nur selten.

Claus Spahn, Die ZEIT


... Die Ebenen sind dicht und vielschichtig verwoben. Hier die Text-Mixtur aus Bayreuth-Kulturkampf und „jüdischer“-Golem Geschichte. Dort eine fulminante Komposition. ...

Irene Judmayer, Oberösterreichische Nachrichten


Csárdás macabre
Die Lesung fand deshalb ihren Mittel- und gleichzeitig Höhepunkt durch Ulla Berkéwicz Bruder Lesch Schmidt, der diesen Csárdás auf dem Flügel vorspielte, wonach man die irrwitzige, fast surrealistisch anmutende Gartenstimmung des Romans viel besser nachvollziehen konnte. Lesungen mit Musik erfreuen sich wachsender Beliebtheit, jedoch erlebt man selten eine so gelungene Symbiose zweier Werke aus Literatur und Musik.

Susanne Mischke, Darmstädter Echo


Carmina Burana
Das Arrangement ist vor allem sehr bunt, mit fröhlichen, mit breiter Palette dosierten Klangfarben, die in einen abwechslungsreichen Satz gestreut sind, der wiederum den Spaß an der Interpretation des Werks auch bei umfangreicher Probenarbeit ohrenscheinlich nirgendwo erlahmen hat lassen. Und Lesch Schmidt machte sich auch keine Sorge darüber, daß die Musik dabei doch ganz anders wird als das urwüchsige bayrische Original – manchmal klingen die Bläserkombinationen fast poppig und mehr nach Zeichentrick- als Historienfilm. Aber das darf ja durchaus sein – dadurch wird die Fassung etwas Eigenes. Bläserensemble-Chef Andreas Benke dirigierte die Aufführung sicher, wenn auch manchmal besonders in der Agogiok etwas reserviert, schaffte es aber trotzdem, zusammen mit dem die (übersetzten) Texte vortragenden Bearbeiter, den Grundimpuls der „Carmina“ eindrücklich aus der neuen alten Partitur herauszuarbeiten: Die einzigartige Spritzig- und Witzigkeit zwischen Marktplatz und Olymp, Bacchanal und Hochzeitsbett.

Ralph PH. Ziegler, Hanauer Anzeiger


Von Morgens bis Mitternacht, Eine dramatische Revue
Hilsdorf scheint allein dem Schmiß der Musik (von Lesch Schmidt) zu vertrauen, sie ist‘s, die auch mal etwas gegen den Strich bürstet – mit schrägen, überhitzten Songs wie dem der Ehefrau des Kassierers („Iß doch wenigstens die Suppe“, Henriette Thimig).

Helmut Böttiger, Stuttgarter Zeitung


Penthesilea-Prokekt Teil 2
Erstaunlich ist die Bühnenmusik, die bis ins gesprochene Wort hineinreicht. Lesch Schmidt, in diesem Metier nicht unerfahren, war während der gesamten Proben anwesend und hat für die Chorszenen eine Wort-Partitur geschrieben und mit dem Ensemble so intensiv einstudiert, daß die entsprechenden Passagen bei der Premiere mit Szenenapplaus bedacht wurden.

Michael Rieth, Die Deutsche Bühne